*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

Der Artikel „Geistesblitz: *BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!“ von dem freimaurerischen Blogger Philip Militz hat mich dazu inspiriert, folgende Begebenheit niederzuschreiben, die mir ein Freimaurer-Bruder meiner Loge mal beim Käffchen erzählte. Dazu muss ich jedoch zunächst kurz etwas ausholen.

Eine Achillesferse des Freimauertums ist seine institutionalisierte Organisationsform. Diese macht es notwendig, dass Ämter zu besetzen sind, Sitzungen abzuhalten sind, Protokolle zu fertigen sind und Formalien einzuhalten sind. Dazu muss sie auch den Ansprüchen des deutschen Vereinsrechtes gerecht werden. Wenn man Freimaurer wird und sich auch engagieren will, merkt man relativ schnell, dass ein nicht unwesentlicher Anteil der eigenen Zeit für organisatorische Fragen draufgeht. Und bei solchen Fragen geht es ab und an auch um persönliche Eitelkeiten oder knallharte Machtpolitik.

Das alles schiebe ich vorweg, um die Frustration des Bruders, von dem ich erzählen möchte, nachvollziehbar zu machen. Viele Stunden war er mit eben solcher „freimaurerischen Orga-Scheiße“, wie er es selbst nannte, beschäftigt gewesen und hatte manch Auseinandersetzung führen müssen. Jetzt saß er erschöpft und niedergeschlagen im Restaurant des Logengebäudes und starrte in seinen Kaffee. Dies fiel einem anderen Bruder auf. Dieser setzte sich zu ihm. Der übliche „Wie geht’s – ach ja, muss ja“-Smalltalk war schnell hinter sich gebracht, als dieser Bruder ihn bat, doch mal kurz mitzukommen.

Beide stiegen die Treppenstufen empor bis zum Tempel des ersten Grades. Dieser lag noch vollkommen im Dunklen. Dort angekommen, schaltete der andere Bruder die Lichter des Sternenhimmels an der Decke des Tempels ein. Und auch das Licht im Osten des Tempels. Jetzt setzten sich beide danieder. Und schwiegen einfach nur. Über ihnen strahlten die Sterne des Himmels. Und der Altar im Osten war in dämmriges Licht getaucht. Ansonsten war es dunkel. So saßen sie beide da. Stille legte sich über sie und breitete sich in ihnen aus.

Und mit dieser Stille wurden sie sich wieder bewusst. Sich selbst und auch dem Ort, an dem sie sich gerade befanden. Dieser Moment ließ sie sich ganz neu darauf besinnen, welche Plätze sie in der freimaurerischen Bruderkette einnehmen und ausfüllen. Ich weiß nicht, wie lange beide dort so gesessen hatten, als der andere Bruder schließlich meinte: „Ich gehe gerne hierher, wenn mir der ganze freimaurerische Orga-Trubel über den Kopf wächst. Ganz alleine. Um mich zu sammeln. Um mich zu erinnern, weshalb ich das alles hier überhaupt mache.“

Mein Bruder war derart berührt von diesem Moment, dass er mir Monate später, als ich meinen Unmut über die „freimaurerische Orga-Scheiße“ mit ihm teilte, mir diese Geschichte erzählte, als sei sie erst gestern geschehen…

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7 Gedanken zu “*BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

  1. Orgascheisse
    Lieber Bruder Hagen
    Danke für deine Geschichte dazu. Auch ich war fast soweit wegzulaufen einfach weglaufen von der Freimaurerei, weil ich zuviel Zeit für FM ORGA verbrachte, die nichts aber auch nichts mit FM zu tun hat .Mein Problem ? Ich habe Processflow und Buchhaltung gelernt. ABER, weil ich helfen wollte, bin ich in die Orgascheisse der FM geraten. Habe alles gemacht, was ich glaubte machen zu müssen und was meine Vorgänger mir sagten, es sei zu so zu machen. Beistand , um Verwaltung zu vereinfachen haben ich von denen da oben nicht bekommen.
    Möchte mir meine Freimaurerei nicht nehmen lassen und baue nun langsam Verwaltungsposten ab. Ist auch keine Lösung , denn ich will und wollte helfen und andere mit dem Verwaltungsmist nicht belasten . Hab nun doch einen Posten niedergelegt und merke , ich habe nicht zu einer Lösung beigetragen, was sehr schmerzt. Habe mich nicht freimaurerisch verhalten, jetzt muss ein anderer Br. den schlecht organisierten „Papiekram“ weiterführen, der merkt nun auch langsam, was wir da für eine ORGASCHEISSE am Hals haben.
    Ohne Verwaltung geht es nicht, wollte Verwaltung dem heutigen Standard anpassen, hab „Gesprächslosigkeit“ erfahren.
    Liebe Grüsse
    Dein Bruder Joachim
    „BAM ! „jo , so verstehe auch ich Freimaurei !

    Gefällt 4 Personen

      • Lieber Krieger des Lichts!

        Gute Frage. Und meine Antwort lautet ganz klar: Ja und nein. 😉 Doch lass mich ein wenig ausholen:

        Von dem Moment an, wo Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu erleben, werden organisatorische Strukturen notwendig. Das finde ich erst einmal nicht verwerflich.

        Auf Grund der Organisationsformen, die man im Freimaurertum vorfindet, existiert dort immer die Tendenz zu einem Mehr an Struktur als bei anderen spirituellen Organisationen. Auch das finde ich erst einmal nicht verwerflich.

        Denn ich finde, dass Du von einer künstlichen Trennung ausgehst: Hier der spirituelle Weg bzw. die gelebte Bruderschaft und dort der unspirituelle Orga-Kram. Diese Trennung existiert für mich nicht. Alles ist spirituell, so auch der Orga-Kram. Und daher erlebe ich im gemeinsamen organisatorischen Arbeiten auch Bruderschaft und Spiritualität.

        Darüber hinaus käme es mir wie ein Rosinen-Herauspicken vor, wenn man nur Ritual, Bruderschaft und Symbolik will, nicht aber praktisch organisatorische Verantwortung übernehmen will. Letztendlich kommt es auf ein gesundes Gleichgewicht zwischen beiden an. Und dieses Gleichgewicht ist gestört, wenn das Organisatorische nicht mehr dem Menschen dient, sondern der Mensch dem Organisatorischen.

        Das, was der Bruder in meinem Artikel als „Orga-Scheiße“ betitelte, war der Zustand, dass das Pendel zu stark und ausdauernd in Richtung Orga-Kram schlug und dass dies kombiniert war mit Streitigkeiten um Macht und Eitelkeiten.

        Herzliche und gesegnete Grüße!

        Hagen

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  2. Witzig, eine ähnliche Erfahrung hatte ich gestern bei einem sog. Orga-Meeting bei den Anonymen Alkoholikern. Manchmal ist es wie in einem Kleingärtnerverein. Anträge, Diskussionen, nichts gewonnen… und vor allem keine wirklichen Probleme die ich als diskussionswürdig empfinde 😉

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  3. Pingback: *BAM!* Jo, das ist Freimaurerei! – freimaurergedanken.com

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