„Wer keine Angst vorm Teufel hat – Braucht auch keinen Gott“

FREIMAURERTUM UND GOTT - EIN VORWORT (ZU TEIL 2/3):

Keine Frage ist so geeignet, heftigste Diskurse innerhalb des Freimaurertums auszulösen, wie die Frage nach Gott. Vereinfacht und überspitzt reichen die Positionen von "man kann nur ein Freimaurer sein, wenn man an einen wie auch immer gearteten Gott glaubt" bis hin zu "man kann nur ein Freimaurer sein, wenn man nicht an einen Gott glaubt".

Für die Leser meines Blogs ist es nicht schwer, mich innerhalb dieser Diskussion zu verorten: Für mich bedingt der Weg eines Freimaurers die Vorstellung eines Gottes; wenn auch nicht im dogmatischen Sinne. Diese Position hat ihre Berechtigung, ist aber nicht die einzig mögliche.

In drei Blogartikeln möchte ich nun die Gelegenheit geben, auch die Positionen zu Wort kommen zu lassen, die sich nicht mit meiner Position decken oder dieser sogar konträr gegenüberstehen. Ich freue mich sehr, hierfür die Freimaurer und Blogger Rene Schon und Jürgen Scheffler gewonnen zu haben. Beide gehen den Weg des Freimaurers als bekennende Atheisten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Frage nach Gott nicht nur geeignet ist, Kontroversen innerhalb des Freimaurertums auszulösen, sondern auch aufzuzeigen, welche Vielfalt innerhalb des Freimaurertums möglich ist. Wenn der Leser die beiden Artikel von Rene Schon und Jürgen Scheffler sowie meinen Artikel zum Thema gelesen haben wird, wird er eine Vorstellung davon haben, über welche Bandbreite das Freimaurertum verfügt...

Genug der Worte. Vorhang auf für den Beitrag von...

RENE SCHON:

reneschon

„WER KEINE ANGST VORM TEUFEL HAT – BRAUCHT AUCH KEINEN GOTT“ – DER ATHEIST

Ich stelle in letzter Zeit eine immer wiederkehrende Diskussion in den sozialen Netzwerken fest. Dabei kommt es vor, dass sich selbst Brüder Freimaurer mit ihren Kommentaren und Aussagen oft gegenseitig verletzen oder anzweifeln, wer denn „regulär“ ist und wer nicht. Die Diskussion geht um die Frage: Können Atheisten Freimaurer sein? Und braucht es einen Gott in der Freimaurerei?

Ich möchte gerne die Antwort vorwegnehmen: Ja, können sie und auch sehr gute, denn ich durfte einige der Brüder auch kennenlernen oder/und bin mit ihnen befreundet. Und warum sollte ein Bruder, der Atheist ist, auch ein „schlechterer“ oder gar „irregulärer“ Bruder sein?

DIE ALTEN PFLICHTEN ALS GRUNDLAGE

In den alten Pflichten von Anderson heißt es:

„Von Gott und der Religion: Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein Atheist aus Einfalt noch ein religionsfeindlicher Wüstling sein. Aber obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jeweiligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hält man doch jetzt für ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen, das heißt, sie sollen gute und wahrhafte Männer sein, Männer von Ehre und Rechtschaffenheit, durch was für Sekten und Glaubensmeinungen sie auch sonst sich unterscheiden mögen. Hierdurch wird die Maurerei ein Mittelpunkt der Vereinigung und ein Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche sonst in ständiger Entfernung voneinander hätten bleiben müssen.“

Hieraus entnehmen wir klar, dass Freimaurerei keine Religion ist, noch eine Festlegung auf eine besondere Religion fordert. Es legt aber auch klar fest, dass es um Wahrhaftigkeit, Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft geht. Also immer noch nichts, was einen Atheisten nun ausschließen würde. Und wenn wir uns den Satz „Atheist aus Einfalt“ betrachten, schließt auch dies keinen Atheisten aus, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag. Denn der heutige Atheist hat sich sicherlich bewusst für diesen Schritt entschieden. Im Zeitalter der Wissenschaft und Aufklärung ist die Religion von diesen Bewegungen verdrängt worden. So auch in der modernen Freimaurerei mit seinen diversen Reform-Großlogen im frühen 20. Jahrhundert (z.B. F.z.a.S, oder Zur Sonne). Hier wurden die Dogmen der Religionen ausgeschlossen und verdrängt.

RELIGION IN DER ALLE MENSCHEN ÜBEREINSTIMMEN

Anderson sagt auch, dass der Freimaurer zu der Religion verpflichtet sei, in der alle Menschen übereinstimmen, nämlich der Ehre, Rechtschaffenheit und Freundschaft. Und dies ohne einen Verweis auf eine Konfession. Somit kann auch der Atheist ein vollwertiger Bruder sein. Gerade deshalb ist es heutzutage mehr als unangebracht ihn als „irregulär“ zu betrachten. Denn würde man der Argumentation dieser Brüder Glauben schenken (Zitat: „steht ja so bei Anderson, kein Atheist aus Einfalt“), so müsste man im Umkehrschluss ebenso sagen, dass es sich bei diesen Brüdern ebenso um irreguläre Brüder handelt, da sie sich ja an einer Religion, oder an einer Glaubensrichtung ausrichten. Und wiederum zu beweisen, dass dies die Religion ist, in der alle Menschen gleich sind, scheint eher unmöglich.

Daher scheint ein gegenseitiger Fingerzeig ebenso unangebracht wie eine andauernde Diskussion über die „wahre Freimaurerei“. Diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Aber es hat immer Brüder gegeben, die sich für die 5 Säulen der Freimaurerei eingesetzt haben. Den Kern der Freimaurerei machen Gleichheit, Toleranz, Freiheit, Humanität und Brüderlichkeit aus. Und auch hier kann man schnell erkennen, dass keine Religion im Spiel ist.

Warum also sollte ein Bruder, der bekennender Atheist ist und sich zu den 5 Grundsätzen der Maurer bekennt kein regulärer Bruder sein? Ich kann dies nicht erkennen. Er lebt nach den Grundlagen und achtet diese. Daher für mich ein Bruder wie jeder andere.

ALLMÄCHTIGER BAUMEISTER ALLER WELTEN (ABAW) FÜR ATHEISTEN?

Aber stellen wir uns kurz die Frage wie ein Freimaurer, der bekennender Atheist ist, mit dem Symbol des ABAW umgeht. Nun ja, der Baumeister kommt in den meisten Ritualen vor, aber es gibt auch Ausnahmen. In einigen wird das Symbol des ABAW mit keinem Wort mehr erwähnt. Aber das schwächt diese Rituale und die Arbeiten damit keinesfalls ab. Sie sind dennoch gleich tragend.

Wenn nun ein Atheist eine christlich geprägte Loge besucht, dann kann er entweder an seiner Toleranz arbeiten und über dieses Sinnbild nachdenken, oder aber er kann auch das Symbol des Baumeisters anderweitig füllen. Ein Bruder, der sich der Wissenschaft verschrieben hat, sagte mir einmal, dass für ihn die Gravitation die treibende Kraft im Universum sei, die alles festhält und kontrolliert. Ein anderer sagte mir, dass für ihn die Liebe und die Liebe zum Mitmenschen das wichtigste und allumfassendste ist. Mancher setze für den ABAW sinnbildlich den jeweiligen Gott aus ihren Konfessionen und Religionen. Ich konnte mich mit den Gedanken und der Begründung aller Brüder anfreunden. Und alles waren reguläre Brüder …

EINHEIT IN DER VIELFALT

Unter den VGLvD, den Vereinten Großlogen von Deutschland, sind die vielen Ausrichtungen und Ausprägungen der regulären Freimaurerei zusammengefasst. Hier findet sicherlich jeder Bruder oder interessierte Suchende eine passende Bauhütte. Fast wie der sprichwörtliche Deckel den Topf. In wie fern eine solche Institution und Großloge sinnvoll ist, darüber möchte ich nicht urteilen, da dies bereits andere getan haben. Aber es zeigt einen Weg auf, was alles reguläre Freimaurerei ist, dass man sich gegenseitig besuchen und an den Arbeiten teilnehmen kann, dass man auch gemeinsame Ziele hat. Man sagt ja auch, eine Loge ist eine Gruppierung von Ungleichen. Und so ist es in der nächst höheren Gruppierung auch … Warum sollte eine Großloge hier anders sein.

Auch hier haben wir so viele unterschiedliche Brüder. Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir uns dies bewusst ausgesucht haben als wir den Schritt gegangen sind und Freimaurer wurden. Im Ritual hören wir immer, dass wir gemeinsam am Tempel der Humanität arbeiten. Und dann sollten wir mal zuhören und dies auch tun und uns nicht in Netzwerken die Zeit damit vertreiben, am Stein des anderen zu arbeiten und ihm unsere persönliche Sicht der Freimaurerei aufzudrücken.

Somit bliebt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich gerne meine Zeit mit den Brüdern weiterhin verbringe, die überzeugte Atheisten (mein Bruder Alex) sind, gläubige Menschen wie mein Freund und Bruder Hagen Unterwegs oder auch Menschen, die „nur“ dem christlichen Glauben verbunden sind. Ich sehe alle diese Brüder als gleichberechtigte Freimaurer an und reiche jedem gern die Hand. Auch wenn ich aus einer Reformloge abstamme.

AUGEN AUF DAS WESENTLICHE

Leider wird auch, wie jüngst auf der Tagung der Freimaurerforschungsloge Quatuor Coronati geschehen, öffentlich von Brüdern anderer Großlogen geäußert, dass Atheisten in der Freimaurerei nichts zu suchen hätten und sie doch sich in anderen Gruppierungen wiederfinden sollten, aber nicht in der Freimaurerei. Schließlich müsse man sich überlegen Wem zu Ehren die Sakralbauten erbaut wurden.

Mal ehrlich, ist das nicht eine mehr als engstirnige Haltung? Klar mag es sein, dass die Kirchen und Klöster, welche die Bauhütten erstellt hatten, zu Ehren Gottes gewesen war. Aber man kann es auch so sehen, dass die Baumeister die neuesten Möglichkeiten der Technik und Wissenschaft angewendet hatten, um diese Bauwerke zu schaffen als Symbol des Sieges des Verstandes und der Technik über die Natur. Aber leider hat der betreffende Bruder, der diese Äußerung tätigte keine sinnvolle Begründung für seine Aussage liefern können.

Viele unserer Brüder im Osten Deutschlands sind nicht getauft und evtl. noch auf der Suche. Sind sie denn keine wahren Maurer, keine guten Brüder? Nein, sie sind ebenso Freimaurer wie wir alle und haben sich bewusst für diesen Bund entschieden. Warum sollten wir also Brüder ausgrenzen, die Atheisten sind, aber wahre Freimaurer von Herzen sind? Sind das nicht genau die Bausteine, derer wir bedürfen für den Bau des Tempels der Humanität? Ich denke schon …

FREIMAUREREI – EINE RELIGION?

In der Diskussion um einen Gott in der Freimaurerei kommt auch oft die Meinung zu Tage, dass Freimaurerei eine Art Religion ist, oder zumindest ein Ersatz. Einige haben geschrieben, dass wir Freimaurer einen Transzendenzbezug haben, eine duale Komponente, einen Jenseitsbegriff und ein Fortbestehen nach dem Tode mit denen ein Atheist nichts anfangen kann.

Dies sehe ich jedoch nicht so. Denn auch ein Atheist kann sich mehr als nur ein wenig damit anfreunden. Viele Atheisten, die ich kenne und auch gleichzeitig Freimaurer sind, haben einen starken Bezug zur Wissenschaft und Forschung. Gerade im Osten sind sehr viele Brüder zu finden, welche nicht getauft sind und ohne einen christlichen Glauben erzogen wurden. Selbst diese Brüder können diese Sinnbilder (und mehr sind es ja nicht, solange der Große Baumeister sich nicht selbst vorstellt!) füllen:
• Transzendenz, der ABAW
Ist ein Sinnbild für etwas was über dem Menschen steht, sein Handeln und Denken beeinflusst. Für die einen ist es die Gravitation, für die anderen die Liebe, für den nächsten ist es der Gott in einem selbst.
• Duale Komponenten
Gibt es im Bereich der Monisten und Logen die Gründerväter in diesem Bereich haben eher weniger.
• Jenseitsbegriff und Fortbestehen nach dem Tode
Diese beiden gehen Hand in Hand. Selbst ein Physiker kann sagen, dass der ganze Körper aus Energie besteht und nach dem Energie Erhaltungsgesetz keine verloren geht. Somit wird sie auch nach dem Tod noch irgendwohin fließen. Das sehen sie dann als das Jenseits und Leben nach dem Tod. Aber wer weiß das schon. Diese letzte Reise treten wir alle einmal an.

Letztendlich ist es einfach wichtig einen Weg zu finden, diese Sinnbilder zu füllen. Und das können Atheisten genau so gut wie alle anderen Brüder.

HÖHERE ARBEIT

Nach dem Tod wird der Freimauer zu „höherer Arbeit“ abgerufen, wie man so schön sagt. Für viele ist dies wieder ein Beweis, dass die Freimaurerei mit Atheismus nicht vereinbar wäre. Denn wer sollte den Maurer denn abrufen, wenn nicht ein Gott? Natürlich möchte ich hier auch in erster Linie sagen, dass die Natur und ihre Gesetze den Maurer (wie auch jeden anderen Menschen) abrufen. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann wird genau dieses uns allen geschehen. Nun bleibt noch die Frage nach der „höheren Arbeit“, welche wir nicht abschließend beantworten können. Ist es denn so? Wie können wir dies beweisen? Solange wir hier keinen Beweis haben, bleibt nur unser Glaube, egal ob es sich hierbei um einen Atheisten oder gottgläubigen Menschen handelt. Somit liegt es auch im Ermessen des Einzelnen, diese Passage zu interpretieren.

EINE FRAGE DER ANERKENNUNG

Es wurde mir geschrieben, dass viele Logen wegen der Anerkennung die bittere Pille geschluckt haben und den ABAW aufnehmen mussten. Das ist so nicht korrekt. Denn die UGLoE (United Grand Loge of England) schreibt nur ein „supreme beeing“ vor. Das KANN der ABAW sein, muss er aber nicht. Hier muss der Freimaurer für sich eben dieses Sinnbild füllen und damit arbeiten. Dies kann eben, wie bereits erwähnt, auch ein Atheist. Was jedoch die UGLoE vorschriebt ist das Auflegen der Bibel. Das ist ja wiederum nicht schlimm, da in vielen Logen ohnehin mehrere Bücher aufgelegt werden, gerade wegen Brüder anderer Religionen oder eben auch Atheisten. Auch wir mussten zur Anerkennung die Bibel auflegen, haben aber auch das weisse Buch dort liegen, weil es die Tradition unserer Bauhütte so vorsieht und dies die GL AFuAM genehmigt hat.

Was die Regularität angeht muss ich mich schon sehr über die Bemühungen einiger Großlogen wundern, als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit faktisch analog einer Religion anerkannt zu werden. Dies widerspricht in allen Grundsätzen den Vorgaben der UGLoE. Freimaurerei darf KEINEN Bezug zu einer Religion haben. Daran sollten wir uns wieder vermehrt halten.

FAZIT

Wir sind alt geworden und die Spinnenweben der Geschichte kreisen um uns. Das müssen wir massiv ändern. Warum wohl sind wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht so viele Brüder? Weil die Freimaurerei uninteressant wird für eine junge Generation, welche nachkommen muss. Ja, es gibt immer welche, die diesen Lebensstil suchen. Aber wir müssen neue Reformen durchsetzen und uns mehr in der Öffentlichkeit positionieren, ohne dass die Deckung einiger Brüder aufgegeben werden soll. Es muss der nötige Spagat zwischen der Moderne und der Tradition geschaffen werden. Wir müssen nicht so radikal dabei vorgehen wie es früher schon einmal versucht wurde (wie durch den F.z.a.S.), aber den Tatsachen ins Auge sehen und uns moderner Aufstellen. So schaffen wir eine blühende Freimaurerische Kultur.

Auch innerhalb der VGLvD mit ihren verschiedenen Ausprägungen. Denn hier müssen die Streitigkeiten über die Regularität oder Irregularität aufhören und man sollte erkennen, dass hier eine „Einheit durch Vielfalt“ herrscht. Und das lässt uns wachsen und stark wirken.

Ich schätze sehr die Zeit mich euch allen. Mit jedem meiner Brüder, seien sie gläubige Christen oder auch überzeugte Atheisten. Ich schätze das offene Wort und den Gedankenaustausch … Eben weil uns ein Gedanke und 5 Werte und Normen miteinander verbinden … ein Hoch auf uns!

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7 Gedanken zu “„Wer keine Angst vorm Teufel hat – Braucht auch keinen Gott“

  1. Lieber Rene Schon,
    Deine Argumentation und Deine Haltung zu denen, die sich als Atheisten sehen, kann ich nachvollziehen und teile diese Haltung.
    Gestatte mir folgende Frage(n):
    Glaubst Du, dass sich ein Atheist in einer Loge wohl- und angenommen fühlt, wenn gebetet, der GBaW, ABAW, oder GAaW ständig im Mund geführt wird?
    Oder wenn verkündet wird, dass ein Religionsgründer (Jesus) der OBERMEISTER ist, aus dessen Händen man, lt. „Satzung“ nach dem Tod den Lohn für ein gutes Leben empfängt, glaubst Du wirklich, dass die Toleranz ausreichend vorhanden ist?

    Auch wenn es „die Freimaurerei“ nicht geben sollte, denke ich, dass es ein für alle Arten von Freimaurern erkennbares Ideal gibt, das jenseits von religiösen oder politischen Voraussetzungen Menschen im Allgemeinen und Freimaurern im Besonderen als Richtschnur für ein Leben dienen kann, dass sowohl das Zusammenleben fördern kann, als auch die Welt in Gänze positiv beeinflussen könnte.
    Ich denke, wenn Freimaurer das für sich
    a) erkennen und
    b) danach leben,
    sind FM in der Welt angekommen und können sie undogmatisch beeinflussen und gelten nicht mehr als Menschen die sich hinter „sonderlich wirkenden Fassaden“ verschanzen.
    Moderne Freimaurerei kann dem Werteverfall, der überall beklagt wird, mit ihrer IDEE entgegentreten.
    Irregulär wären dann nur die, die das weder begreifen, noch danach handeln.

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    • Lieber Werner Kraftsik,

      auch wenn dies nun der Blog von Hagen ist, will ich dir gerne antworten.

      Zuerst einmal vielen Dank für den Beitrag und den Kommentar.
      Ich stimmt dir zu, de eine Freimaurerei gibt es nicht und wird es auch absehbar nicht geben. Dazu hat es zu viele Schranken in den Köpfen einzelner Brüder.
      Aber ja, die Grundsätze, die Ideale sind in allen Großlogen vertreten. Wenn wir uns auf diese besinnen, dann werden wir eine Form der Verständigung und Zusammenarbeit in der modernen Freimaurerei schaffen. Ich setzte mich gern für diese neue Form ein und möchte die Brüder wieder auf die Ideale stoßen und sie dafür sensibilisieren.

      Um dir eine offene und evtl. harte Antwort zu geben: Nein, ein Atheist würde sich beim FO nicht wiederfinden. Ein Atheist wird schon gleich nicht wie Anhänger einer Religion, welche nicht an Jesu Christi glaubt vom Freimaurer Orden eher abgelehnt oder ausgeschlossen werden. Ich selbst habe dies mehrfach gehört und gesehen.
      Der Atheist kann zwar mit Sinnbildern sicherlich etwas anfangen, aber nicht mit Religion und den Bezug auf dieser oder sogar mit dem beten. Er müsste sich in der AFuAM eine passende Loge suchen, welche es auch gibt. Selbst ein bekennender Antitheist windet hier eine ethische und geistige Heimat. Aber eben nicht im FO.

      Aber dies ist auch nicht weiter schlimm. Denn solange es Brüder gibt, wie Hagen und ich, die sich trotz ihrer unterschiedlichen Basis in der Freimaurerei gefunden haben und sich immer die Hand reichen können und zusammen arbeiten können, so lange lebt ins uns der Gedanke an eine Bruderkette über die formalen vereinsrechtlichen Grenzen weiter.

      Herzlichst
      René Schon
      http://www.freimaurergedanken.com

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  2. Einheit in der Vielfalt ist das entscheidende. Ich habe atheistische Brüder und sie sind gute Freimaurer. Für mich ist der spirituelle Aspekt das wesentliche in der Freimaurerei. Und auch wenn die Brüder manchmal über mich lächeln, so haben sie mich doch gerne. Wenn wir es schaffen, uns gegenseitig zu respektieren, dann ist alles gut. Ich denke durchaus, dass Atheisten gute Freimaurer sein können auch wenn ich davon ausgehe, dass die FM noch viel mehr für sie bereit hält.

    Was mich interessieren würde wäre eine echte Auseinandersetzung über die Symbolik. Dabei könnten Atheisten und Spiritualisten viel voneinander lernen. Wenn ich mir die Symbolik der Grade ansehe und wenn ich die Arbeitstafeln anschaue mit praktischer spekulativer und esoterischer Ebene, wenn ich mir die auch in magischen Kulten verwendeten Symbole wie Sonne, Mond, Pentagramme, Hexagramme ansehe. Wenn ich Ein „Suchender“ bin, der das „Licht“ sucht, wenn ich den Tempel im Ritual in ein Abbild des Kosmos verwandle, wenn ich im Sonnenlauf gehe. Wenn ich mir die Säulen J und B ansehe und über den Salomonischen Tempel nachdenke. Wenn ich die an die Kaballah angelehnte Zahlenmystik (3,5,7) durchdenke. Und und und… Dann fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie man das alles als Atheist für sich interpretiert. Ein Bruder sagte mir mal: „Das ist alles Quatsch von früher. Heute ist man da rüber hinweg“. Auf die Frage, warum er sich das dann alles immer wieder antut, sagte er mir: „Das gehört halt dazu.“ Ok, kann man so sehen aber so wie das ggf. bei älteren Brudern aus Gewohnheit so funktioniert so slcher bin ich, dass man das als rein historisches Theater kaum neuen Brüdern vermitteln kann.
    Wenn atheistische Brüder die Symbole für sich interpretieren können, ist das wunderbar. Schlimm wird es nur, wenn diese Brüder sich dran machen und die alten Bedeutungen aus den Instruktionen und Ritualtexten streichen. Dann berauben sie die FM Ihrer tiefen Bedeutung. Das ist dann für mich ein Akt des Selbstschutzes, um sich nicht mit den Widersprüchen in uns auseinandersetzen zu müssen. Sich einzugestehen, dass man bestimmte Sachen nicht versteht, sollte zu jedem guten Freimaurer gehören.

    Bislang sind mir leider nur wenige Brüder begegnet, die nach jahrelangen Studien der Symbole, vielen Erkenntnisstufen und Durchdringung eine atheistische Position behaupten. Meistens waren es eher die Brüder, die sich weniger tief mit der Symbolik und den im 17. Jahrhundert die Freimaurerei begleitenden geistigen Strömungen beschäftigt haben. Ich freue mich drauf, mich über dieses Thema mit vielen Brüdern auseinandersetzen zu können. Sinn macht es aber nur dann, wenn alle voneinander lernen wollen und nicht aus Nichtverstehen Ablehnung wird oder beide Seiten sich nur vom Recht haben überzeugen wollen.
    Ich glaube fest daran, dass die Zukunft der Freimaurerei von einem Wieder verstehen der Symbolik abhängt. So können wir die Rituale auf Dauer aufgeladen halten.

    Ist das antiaufklärerisch? Nein ist es nicht. Vergessen wir nicht, dass auch die Rosenkreuzer Teil der Aufklärung waren. Und so wie Pythagoras, Newton und andere von der Wissenschaft hoch geehrte Personen alle an ein höheres Wesen und Kraft geglaubt haben, so gab es auch viele Aufklärer, die sich mit den hermetischen Schriften auseinandergesetzt haben. Wogegen sich die Aufklärung wandte war der blinde Glaube an Dogmen und Autoritäten, nicht die Suche nach höheren Wahrheiten.

    In der freimaurerischen Debatte wird Religion immer mit den Weltreligionen gleich gesetzt. Das erscheint mir grundlegend falsch. Denn so wie sich diese Religionen alle im Laufe der Jahrtausende profanisiert haben, und von Machtinteressen durchsetzt wurden, so sollten wir Freimaurer darauf achten, dass uns das nicht passiert.
    In der Aufnahme wurde ich gefragt ob ich religiösen Sinnes sein. Das habe ich als nicht konfessionell gebundener Mensch aus vollem Herzen bejahen können, denn ich verstehe Reilgion im ursprünglichen Wortsinn. Religio heisst Rückverbindung. Also die Auflösung der Dualität und Verbindung mit Gott.
    Auf diesem Weg begleitet mich die Freimaurerei über Selbsterkenntnis, Prüfung und Symbolik. Der Unterschied zu den Rosenkreuzern leigt darin, dass wir Freimaurer das Leben nicht verneinen sondern es genießen und bewußt auch im Diesseits wirken wollen. Diese Verbindung ist es, die ich als die größte Stärke in der Freimaurerei empfinde.

    Ist nun die FM sinnlos für jemanden, der die Dinge so nicht sehen kann? Nein ist sie nicht. Es ist für jeden gut, an den Ritualen teilzunehmen. Es macht was mit den Brüdern und sie können gute Freimaurer sein. Sie sollten nur nicht in Hybris verfallen und über die Brüder lachen, die einen tieferen Sinn in den Dingen sehen. Sie sind mitnichten schwärmerische Geister sondern einfach auf einem anderen Weg unterwegs, der vielleicht zum gleichen Ziel führt.
    Schätzen wir uns Wert in unserer Andersartigkeit.

    Gefällt 1 Person

  3. Vielen Dank, lieber Bruder Kai,

    für diese frischen und ausgleichenden Worte!

    Mein Beitrag zum Thema wird gleich online gehen.

    Du wirst sehen, dass Dein Beitrag hier und mein Artikel sich ideal ergänzen werden.

    Gesegneten brüderlichen Gruß!

    Hagen

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  4. Lieber Kai,
    Du weißt nicht, wie sehr Du mir aus der Seele sprichst.
    Mich bewegen seit langem vergleichbare Gedanken und ich leide geradezu an der Tatsache, dass die Freimaurerei zunehmend profanisiert wird. Alle „Ritualreformen“ der letzten 50 Jahre – soweit ich sie nachverfolgen konnte – haben manchen sogenannten „alten Zopf“ abgeschnitten und die Rituale beinhalten einige Teile nicht mehr, andere, die jetzt so aus dem Kontext fallen und deshalb kaum mehr verstanden werden (können), vor allem weil in den Unterrichten kaum jemand auf die tiefen und wichtigen Symbolgehalte hinweist – meist weil die Meister sie schon selbst nicht mehr kennen.
    Für mich ist Freimaurerei trotzdem nach wie vor, das Beste, das menschlicher Geist als Werteaxiome je erdacht hat, weil FM unabhängig von Konfessionen, politischer, ethnischer, sexueller oder irgend einer anderen Ausrichtung, Menschen genau den Rahmen bietet, an dem sich Generationen selbstständig denkender Menschen orientieren können.
    Das „Erkenne Dich selbst“ der Reisen bei der Aufnahme ist ein, vll. sogar DER, Schlüssel um aus Freimaurerei mehr zu machen als nur „Humanität mit Verkleiden“.
    In unserer Zeit, in der allgemein der „Werteverfall“ beklagt wird, ist, aus meiner Sicht, die Freimaurerei das einzige System, das praktikable Lösungen anbieten kann.
    Wir müssen halt nur “ herausgehen in die Welt und Freimaurer sein ……………“

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  5. Pingback: Freimaurertum und Gott – Eine Zusammenarbeit – freimaurergedanken.com

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